Generalat der Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus

Weihnachten 2019


Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott  und das Wort war Gott.

Dieses war im Anfang bei Gott.

Alles ist durch das Wort geworden  und ohne es wurde nichts, was geworden ist.

In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis  hat es nicht erfasst.

Johannes 1,1-5                                                       

in wenigen Tagen feiern wir Weihnachten. Jesus Christus - das lebendige Wort Gottes - wurde Mensch, einer von uns. Zu diesem großen Fest grüßen wir Euch sehr herzlich aus dem Generalat. 

Vor einigen Wochen besuchten Schwester M. Rita, Schwester M. Beata, Prof. Dr. Möllmann und ich unsere Schwestern in Indien. Während dieser Zeit waren wir bei unseren Schwestern in Ramgarh, Jharkhand; sie bauen dort eine neue englische Mittelschule und wir wollten die Baustelle besichtigen. Auf dem Weg zurück zum Konvent, wollten wir die Menschen besuchen, die in einer Lepra-Kolonie in der Nähe leben. Einige unserer Schwestern unterrichten dort Männer und Frauen in Gesundheitsfürsorge, Wundversorgung, Hygiene und vielen anderen

Bereichen. Sie kümmern sich um die Kinder in der Lepra-Kolonie und ermöglichen ihnen den Schulbesuch. Sie verbinden ihre vielen Wunden, die diese Menschen so offensichtlich an den Rand der Gesellschaft drängen.  

Der Tag war bereits vorüber, als wir die Lepra-Kolonie erreichten. Wir kamen zu spät, weil wir im Stau steckten. Im Abendlicht konnten wir die armen Hütten immer noch erkennen, aber es war schwer, die Gesichter der Menschen zu sehen, die wir eigentlich besuchen wollten. Hier und da erhellte ein offenes Feuer die engen Gassen oder warf sein mildes Licht auf die Menschen und Tiere, die dort lebten. Die Leute begrüßten uns sehr freundlich und luden uns in ihre armseligen Hütten ein. Als ich die Hütte auf dem Bild oben sah, fühlte ich mich so stark an Weihnachten erinnert, an die Geburt unseres Herrn Jesus Christus, der in einem elenden Stall geboren wurde. 

Später trafen wir einen alten Mann; er begrüßte uns so freundlich, indem er seine Hände faltete, sie an seine Stirn hob und sich zur Begrüßung nach vorne beugte. Es dauerte nur einen Moment, bis wir merkten, dass er keine Hände mehr hatte, sondern nur noch Stümpfe. 

Er drückte aus, wie sehr er sich über unseren Besuch freute, aber er war traurig, weil wir zu spät kamen. Er bat uns, bei Tageslicht zurückzukommen, damit er unsere Gesichter sehen könne. Obwohl der alte Mann spärlich in Lumpen gekleidet war, strahlte er eine große Würde aus. Wir fühlten uns so klein und beschämt - Tränen standen uns in den Augen in der Dunkelheit. 

„Er bat uns, bei Tageslicht zurückzukommen, damit er unsere Gesichter sehen könne.“  Diese Einladung des alten Mannes ging uns sehr zu Herzen und nun, im milden Licht der Heiligen Nacht, hat sie in der Erinnerung noch einmal ein anderes Gewicht. Gott lädt uns ein, in die armseligen Hütten dieser Welt - mit den vielen Gesichtern der Armut. Er lädt uns ein in den armseligen Stall zu Bethlehem, um staunend dort zu verweilen, uns ansehen zu lassen von Jesus Christus, der Mensch geworden ist und uns allein durch das Geheimnis seiner Liebe „Ansehen“ verleiht. Er schenkt uns sein Licht und eine Würde, die uns niemals mehr genommen werden kann. Denn:

„In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis.“

Ich glaube, wir müssen zulassen, dass unser Glaube an die Gegenwart Gottes in der Art und Weise sichtbar wird, wie wir den Menschen begegnen, unabhängig von Krankheit, Versagen oder Sünde. Nur was ich mit Würde und Respekt betrachte, wird sich mir öffnen. Gottes Leben ist in uns. Das Kind in der Krippe ist der Garant dafür, dass der Mensch niemals seine königliche Würde verliert. Es hat selten eine Zeit in der Geschichte gegeben, in der es für Christen notwendiger war, persönlich Zeugnis zu geben von der heilenden Gegenwart des Wortes Gottes, das in unsere Welt gekommen und Mensch geworden ist. Beten wir füreinander, dass sich unser Glaube an die Menschwerdung Gottes vertieft. Der Blick auf Jesus Christus, unseren Herrn, der im Stall zu Bethlehem geboren wurde, hilft uns, an all jene Menschen zu denken, die obdachlos geworden sind, arm und krank, die hungrig sind und Leid ertragen müssen; die Liste ist lang. Weihnachten lädt uns ein, wieder neu auf Gottes Wort zu hören und Seinen Willen zu suchen für uns und unsere Kirche in dieser Stunde unserer Geschichte.   

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes und friedvolles Neues Jahr 2020!

Schwester M. Margarete Ulager, O.S.F.

Generaloberin