Generalat der Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus

Weihnachten 2020!


Puer natus est nobis, et filius datus est nobis: cuius imperium super humerum eius: et vocabitur nomen eius, magni consilii Angelus.

Schwester M. Margarete Ulager, unsere Generaloberin, schieb uns in ihrem Weihnacht Brief: Puer Natus Est Nobis, uns ist ein Kind geboren, ist der gregorianische Introitus der „Missa in die“ des ersten Weihnachtstages. Von seinem Wesen her Gebet und Verkündigung, wird dieser spätmittelalterliche Hymnus seit dem 14. Jahrhundert in den Gottesdiensten der Weihnachtszeit gesungen. Der Text der Antiphon ist dem Buch Jesaja entnommen (Jes 9,5).

 

Von jeher haben Menschen eindrucksvoll ihrem tiefen Glauben Ausdruck verliehen: In der Kunst, der Architektur, in der Musik und der Malerei, um nur einige Beispiele zu nennen. All dies repräsentiert das Erzittern des vom Geheimnis der Gottesgeburt überwältigten Menschen, welches deutlich macht, wie unbegreiflich es ist, dass Gott Mensch wurde. 

Als ich diese Buchmalerei aus dem Gisle Codex sah, erinnerte ich mich an eine Begebenheit, die bereits 30 Jahre zurückliegt. Während unseres Beisammenseins im Konvent am Heiligen Abend wurde zum Abschluss des Tages noch einmal das Weihnachtsevangelium vorgelesen.

Es wurde still unter uns und jene Schwester, die sich bereit erklärt hatte, die Weihnachtsbotschaft vorzutragen, bat um einen Moment Geduld. Sie musste etwas aus ihrem Zimmer holen und kam mit einem großen Plakat zurück. Sie trat in unsere Mitte und las feierlich das Weihnachtsevangelium vor, das große Plakat in ihren Händen. 

Nach einer geraumen Zeit der Stille richtete sie das Wort an uns und sagte: „Liebe Schwestern, auf diesem Plakat steht das Weihnachtsevangelium geschrieben. Ich habe aus unserer Zeitung, aus den Überschriften der Schreckensnachrichten eines ganzen Jahres, aus den Katastrophen, Worte und Buchstaben herausgeschnitten, die neu zusammengesetzt, den Text des Weihnachtsevangeliums bilden, denn: Gottes Macht ist immer größer als die Macht der Menschen.“

Niemand konnte je ahnen, dass wir uns nun, zusätzlich zu den üblichen Herausforderungen des Lebens, der traurigen Situation von COVID 19 stellen müssen. In unserer Welt gibt es so viele Kriege, Auseinandersetzungen, Menschen auf der Flucht, einsame, trauernde und obdachlose

Menschen. Angesichts all dessen fällt es mir sehr schwer, einen Weihnachtsbrief zu schreiben. 

Dennoch, auch wenn mich oft ein Gefühl der Ohnmacht beschleicht, konkret so wenig tun zu können, hat mir das Beispiel unserer Mitschwester viel Mut gemacht. Sie hat uns das Geheimnis der Geburt Jesu nähergebracht, indem sie uns daran erinnerte, dass Gott durch die Geburt seines Sohnes in die Welt gekommen ist, „für das Leben der Welt“, denn: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt; auf Seinen Schultern ruht die Weltherrschaft. Sein Name ist: Künder des großen Ratschlusses.“ (Introitus des ersten Weihnachtstages (nach Jes 9,5)

Lasst uns dem Geheimnis der Weihnachtsbotschaft trauen und fest daran glauben.   

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, friedvolles Neues Jahr 2021.