Generalat der Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus

WEIHNACHTEN 2021


Herr, unser Gott, in dieser hochheiligen Nacht ist uns das wahre Licht aufgestrahlt. Lass uns dieses Geheimnis im Glauben erfassen und bewahren. (Aus dem Tagesgebet der Hl. Nacht)

Schwester M. Margarete Ulager, unsere Generaloberin, schieb uns in ihrem Weihnacht Brief: Von 1304 bis 1306 schuf der Maler Giotto di Bondone (1267-1337) in einer Kapelle in Padua, Italien, 38 Fresken mit Szenen aus dem Leben Jesu. Berühmt ist Giottos Abbildung des

Halley’schen Kometen, in seinem Gemälde der Anbetung der Heiligen Drei Könige, den der Maler 1301 mit bloßem Auge am Himmel sah. Tatsächlich war es aber um die Zeit der Geburt Christi im Heiligen Land kein Komet, sondern eine bemerkenswerte Konstellation von Saturn und Jupiter, die am Nachthimmel zu sehen war. 

Seit Jahrtausenden haben Menschen aller Kulturen den nächtlichen Himmel betrachtet: Sie erkannten den Zusammenhang der Gestirne mit dem Jahreskreislauf, der mit Säen und Ernten ihr Leben bestimmte und sie versuchten, die Geheimnisse des Himmels zu enträtseln.  

Schon immer hat mich der nächtliche Sternenhimmel mit seinen unendlich vielen Sternen fasziniert. Als im Jahr 1997 der Komet Hale-Bopp, vor allem in den Monaten Februar bis April, mit bloßem Auge am Nachthimmel zu sehen war, stieg ich nach der Arbeit oft die Treppen zum Dach des Krankenhauses in Ahaus hinauf und konnte mich nicht sattsehen an dem unendlichen Meer von Sternen am nächtlichen Himmel. 

Der Komet beeindruckte mich tief und erinnerte mich an den Stern von Bethlehem, so wie er uns auch in der Weihnachtsdarstellung von Giotto begegnet. Was war das für ein Stern, den die Sterndeuter sahen und dem sie folgten? 

Im Matthäusevangelium lesen wir, dass drei weise Männer aus dem Osten nach Jerusalem kamen, als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war. Sie fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ 

Die Heiligen Drei Könige werden vom Stern nach Bethlehem geführt, um den König der Welt bei den Armen und Demütigen zu finden. Gottes Maßstäbe sind anders als die der Menschen: Gott zeigt sich uns nicht in der Macht dieser Welt, sondern in der Demut seiner Liebe, sagte Papst Benedikt XVI. am Dreikönigsfest in Rom 2011. 

In diesem Jahr fällt es mir schwer, diesen Weihnachtsbrief zu schreiben, angesichts der großen Krisen in der Welt und der Kirche. 

Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen berichtete, dass weltweit über 84 Millionen Menschen aus verschiedensten Gründen auf der Flucht sind. In den letzten drei Jahren sind rund eine Million Kinder als Flüchtlinge zur Welt gekommen. Doch nicht nur der Wasserweg stellt eine Gefahr und menschenrechtliche Herausforderung dar, sondern auch die Binnenmigration, die Katastrophen, die Verletzungen und Demütigungen der Menschen an den Grenzen unserer Länder. Tausende Menschen starben und sterben auf der Flucht über das Mittelmeer. Die eskalierende Gewalt in vielen Regionen der Welt, die Bedrohung der inneren Sicherheit und die CORONA-Pandemie haben die Lage für viele Menschen, darunter auch viele Flüchtlinge, deutlich verschlechtert. Die verheerenden Naturkatastrophen, die Flutkatastrophen in Indien, Deutschland und in Japan und zuletzt die Tornados in den USA, lassen viele Menschen zutiefst verzweifelt, hilflos und voller Trauer zurück. 

Liebe Schwestern, unsere Kräfte lassen es oft nicht mehr zu, in den Krisenherden dieser Erde persönlich präsent zu sein, um vor Ort den Menschen zu helfen. Dennoch, als internationale Gemeinschaft finden wir viele Wege, die Menschen zu erreichen. Ihr habt in so vielen Menschen die Gewissheit gestärkt, dass Gott uns auf dem Weg des Lebens begleitet und niemanden sich selbst überlässt. So ist eine jede von Euch durch Euer Sein ein Stern in der Nacht: Ob alt oder jung, krank oder gesund, kraftvoll oder gebrechlich - betend und dienend. Oft genügt schon ein einziger Stern, um wieder an das Licht zu glauben. 

Wenn wir dem Kind in der Krippe unser Herz schenken, in der tiefen Stille der Heiligen Nacht, dann wird der Stern der Weihnacht in unseren Herzen aufgehen und wir können das Leben vieler Menschen heller machen. 

„Heute ist uns der Heiland geboren, Christus der Herr!“

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes, friedvolles Neues Jahr 2022.