Generalat der Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus

Gründungstag


Wie liebenswert ist deine Wohnung, o Herr …

Am 2. Juli haben wir des 176. Jahrestages der Gründung unserer Kongregation gedacht. Die Mutterhauskirche in Münster ist symbolisch der Dreh- und Angelpunkt unserer internationalen Kongregation. Es war 1853, als die Schwestern von Telgte in die Pfarrei Sankt Mauritz zogen. Wenn man das Gelände des Mutterhauses betritt, kann man eine tiefe Ruhe und Frieden spüren. Was wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis „Gemeinschaft mit den Heiligen“ aussprechen, ist hier Realität. Das St. Franziskus Hospital, das internationale Mutterhaus und der Friedhof der Schwestern umgeben die Mutterhauskirche als Zentrum des Geländes. Wenn man auf dem Friedhof der Schwestern steht, ist man gebannt von der einladenden Ruhe, die man hier spürt. Nach einer lebenslangen, verdienstvollen, aufopfernden Arbeit ruhen über tausend Schwestern aus. Am Fuße des Hauptkreuzes zu stehen, umgeben von den Gräbern der ehemaligen geistlichen Leiter und Schwestern, überbrückt die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft.

1853
Es war am 3. Oktober 1857, als diese Mutterhauskirche eingeweiht wurde. Die Kirche hatte die Reliquien des hl. Magnus und der hl. Speciosa und wurde dem besonderen Schutz der Gottesmutter Maria und des hl. Franziskus anvertraut.

Historisch gesehen war dies sowohl für die Schwestern als auch für Pater Bernsmeyer eine ungewisse und verwirrende Zeit: eine Vielzahl von Problemen - im Dezember 1851 hatte Pater Bernsmeyer dem Antrag zugestimmt, sein Haus und seine Grundstücke an den Bischof von Münster zu übertragen. Umzug des Mutterhauses von Telgte in die Stadt Münster. Die junge Kongregation musste sich vielen Herausforderungen stellen: Pater Bernsmeyer war nicht mehr der Direktor der Schwestern, und eine neue Oberin einer anderen Ordensgemeinschaft wurde ernannt.

Diese Sorgen würden jedoch unsere Gründungsschwestern und Pater Bernsmeyer nicht entmutigen. Bevor die Gemeinschaft 1844 offiziell gegründet wurde, hatten sie bereits gelernt, im Leben von Pater Bernsmeyer zu sehen, wie tief man in der franziskanischen Berufung verankert war. Obwohl anscheinend von ihm getrennt, stand die größere Anzahl der Schwestern immer noch hinter ihm als ihren vertrauenswürdigeren Gründer und Vater. Fast ein Jahrhundert lang stand diese Kirche neben der Pfarrkirche Sankt Mauritz als Inbegriff von Vertrauen, Loyalität und uneingeschränktem Engagement für den Herrn, bis sie 1944 durch einen explosiven Luftangriff zerstört wurde. Trotzdem wurde das Tabernakel unversehrt inmitten der Ruinen gefunden.

1944
Mit vielen politischen Umwälzungen und zwei Weltkriegen, insbesondere während des Zweiten Weltkriegs, war die Kongregation oft vom am Rande des Aussterbens. Im Zweiten Weltkrieg waren die Gebäude auf dem Gelände des Mutterhauses gezielten Bombenangriffen ausgesetzt. Hunderte von Schwestern dienten selbstlos den verwundeten Soldaten auf den Schlachtfeldern. Es war aus den Ruinen des Ersten und des Zweiten Weltkrieges, aus den unzähligen aufopfernden Diensten der Schwestern, dass die Kongregation in Europa wie ein Phönix wieder aufstieg. Zusammen mit der neuen Mutterhauskirche, die im April 1952 eingeweiht wurde, stabilisierte sich die Gemeinschaft in Bezug auf Mitgliedschaft und Ausbreitung in und außerhalb Europas.

Vor jedem Missionsvorhaben kniete jede unserer Missionarinnen auf diesen Altarstufen nieder und erhielt ihr Missionskreuz…  Im Laufe der Jahre knieten Tausende junger Schwestern auf diesen Stufen und bekräftigten ihre Treue zu Gottes Ruf in der Profess der evangelischen Räte. Zweifellos folgten ihnen Frieden und Ruhe, wenn sie die heilende Gegenwart des Herrn ausstrahlten, in den Häusern der Patienten, in Feldkrankenhäusern, in Leprapatientenkolonien, in Klassenzimmern, in den Slums ... die Gedanken an die Mutterhauskirche trösteten sie immer ... sie fühlten sich immer verbunden, auch wenn sie nicht zu ihrem Schoß zurückkehren konnten ...

2020
Wir, 
als Schwestern des hl. Franziskus, bemühen uns,  auf unserer 176-jährigen Reise  durch unser Charisma zu dienen, um die heilende Gegenwart Christi zu bringen und zu sein. Wir bemühen uns, uns an die Zeichen der Zeit anzupassen. Tausende Laien teilen heute unser Charisma der heilenden Gegenwart in sozialpastoralen Diensten, Missionsarbeit, medizinischer Versorgung, formaler und nicht formaler Ausbildung.

Am 2. Juli dieses Jahres 2020 wird auf unserem internationalen Mutterhausgelände ein neues Mutterhaus mit einer Kapelle gesegnet und eingeweiht. Immer sind wir geerdet und eng mit unseren Wurzeln verbunden: In dem Altar liegen die Reliquien von fünf Heiligen, die eng mit unseren Wurzeln in Westfalen verbunden sind: Der selige Kardinal Graf von Galen, der hl. Konrad von Parzheim, der hl. Mauritius, die hl. Ida von Herzfeld und die selige Maria Euthymia. In allen Provinzen unserer Kongregation verkörpert ein Teil unserer Schwestern das „Sein“ der heilenden Gegenwart Christi. Sie setzen sich weiterhin für unsere immer noch verwundete Welt ein, während weitere Schwestern und Mitarbeiter auf der ganzen Welt die heilende Gegenwart des Herrn durch verschiedene Dienste „bringen“.

Das Licht, das Pater Bernsmeyer 1844 im Dorf Telgte angezündet hatte, hat die Grenzen zu Polen, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, China, Taiwan, Japan, Indien, Haiti, Korea, Tansania, Kasachstan, Vietnam und verschiedenen Ländern und Kulturen überschritten. Mit Freude und Dankbarkeit singen wir:

Wie liebenswert ist deine Wohnung, o Herr!
Welchen Frieden und welche Freude fühlen wir in deiner 
Nähe… (Siehe Psalm 84)