Generalat der Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus

Die Fastenzeit 2022


Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat.  Psalm 124,8

Schwester M. Margarete Ulager, Generaloberin, schrieb in ihrem Rundbrief, „vor einigen Wochen konnten wir noch nicht ahnen, dass kurze Zeit später wieder Bomben - aus diesem „einen Himmel“ - auf die Menschen fallen und der Luftraum teilweise gesperrt sein würde. Wir haben wieder Krieg im Herzen Europas, und ich schreibe Euch diesen Brief mit einem schweren Herzen.

Zu all dem kommt, dass wir immer noch mit der CORONA Pandemie und den Auswirkungen zu kämpfen haben. Auch unsere Kirche, der ja die Bewahrung und Weitergabe des Evangeliums aufgetragen ist, wird durch ihr eigenes Handeln verdunkelt und unkenntlich gemacht.

Im Juli des vergangenen Jahres 2021 haben wir unter CORONA Bedingungen eine internationale Leitungskonferenz einberufen mit dem Thema:

„Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen“.

Angesichts einer Zeit, in der die Welt den Atem anhält, mag sich nun die Frage aufdrängen, wie wir hoffnungsvoll in die Zukunft gehen können.

Wenn wir in die Geschichte schauen, dann möchte ich von einer Episode erzählen, die sich 1945 zugetragen hat und die der Kirchenhistoriker Professor Dr. Jörg Ernesti in seinem Buch „Friedensmacht: Die vatikanische Außenpolitik seit 1870“ neu analysiert hat. 

Nach dem Zeugnis von Winston Churchill soll Stalin einmal gefragt haben: „Wie viele Divisionen hat der Papst?". Stalin wollte damit zum Ausdruck bringen, dass ein Papst weder militärische Macht noch wirtschaftliches Gewicht hat.

Michael Gorbatschow wusste es später besser und erwähnte: „Papst Johannes Paul II. hat einen erheblichen Beitrag zum Fall des Eisernen Vorhangs geleistet - ohne Divisionen.“

So hat auch die Enzyklika von Papst Johannes XXIII.  „Pacem in terris“ bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren. Der Papst appellierte an die Mächtigen der Welt und verlas am
24. Oktober 1962 im Radio:  

„Wir flehen alle Regierenden an, vor dem Schrei der Menschheit nicht taub zu bleiben und alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Frieden zu bewahren. Sie werden so die Welt vor den Schrecken eines Krieges bewahren, dessen entsetzliche Folgen niemand vorhersehen kann.“

Pacem in terris war die erste Enzyklika, in der sich ein Papst nicht nur an die römisch-katholische Kirche, sondern „an alle Menschen guten Willens“ wandte. Papst Johannes XXIII. rief die Christen und alle Menschen „guten Willens“ auf, mit ganzer Kraft um den Frieden zu beten. So hat auch Papst Franziskus die Welt aufgerufen, den 2. März 2022, Aschermittwoch, zu einem Tag des Gebets und des Fastens für den Frieden in der Ukraine zu machen und nicht aufzuhören, für den Frieden in der Welt zu beten.

Es ist eben der Glaube an die Macht und Güte Gottes, der die bloß menschlichen Möglichkeiten überschreitet, unsere vermeintliche Machtlosigkeit verwandelt und Gottes Wirken sichtbar macht. Darum dürfen und müssen wir hoffen - denn Gott ist der Grund und das Fundament unserer Hoffnung!

Am Aschermittwoch beginnt nun die österliche Bußzeit. Lasst uns in dieser Zeit besonders durch unser Gebet eine Brücke der Hoffnung bauen, über alle Kontinente hinweg. Frieden, Erneuerung und die Erneuerung in der Kirche sind nur möglich im Licht des Evangeliums. So dürfen wir uns auch heute, im Jahr 2022, erneut die bedeutende Frage eines Journalisten an die hl. Mutter Teresa stellen. Er fragte sie:

„Was soll sich als Erstes an der Kirche ändern?“ Ihre Antwort war sehr zutreffend: „Du und ich!“

Mit Maria, der Königin des Friedens, lasst uns eintreten in diese heilige Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Unser Herr Jesus Christus, der Heiland der Welt, schaut immer auf uns Menschen und auf alle Völker. Mit seinem Blick umfasst er uns und er ist es, der uns an Leib und Seele in allen Verwundungen und Nöten bewahrt. In dieser Hoffnung grüßen wir Euch alle herzlich. Wir sind im Gebet um den Frieden in der Welt verbunden.

Wir sind alle unter einem Himmel!“