Generalat der Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus

Schwester M. Rita Chrzanowska


Bei Treffen mit anderen Menschen bekomme ich oft die Frage zu hören: „Wie kam es dazu, dass Sie in den Orden eingetreten sind?“ Diese Frage wurde mir oft gestellt. Ich selbst habe daraufhin Jesus nach den Augenblicken gefragt, in denen er mich stärker zu sich rief. In der Zeit, in der meine Mutter sich sehr stark im Kirchenleben engagierte, ging ich gerade durch meine rebellische Teenager-Phase. Ich war wenig daran interessiert, was Gott von mir wollte. Als sie nach Częstochowa (Tschenstochau) pilgerte, war ich nur froh, dass ich für ein paar Tage frei hatte. Einmal hat mich meine Mutter überredet, mit ihr am Freitag zum Gottesdienst in unsere Pfarrkirche zu gehen. Die Messe begleitete eine Jugendgruppe mit ihrem Gesang. Wie es sich herausstellte, war unsere Schwester Franziska mit dabei, die mich zum Jugendtreffen einlud.

So begann das Abenteuer mit unserer Kongregation. Ich fing an, an Exerzitien für Mädchen teilzunehmen, die in Ołdrzychowice veranstaltet wurden, und lernte auf diese Weise immer mehr das Leben meiner Schwestern kennen. Es beeindruckte mich die Freude, die Offenheit und die Gottesnähe, die sie ausstrahlten. So entstand der innere Wunsch, ein ähnliches Leben zu führen, doch es schien mir nicht möglich zu sein. Dieser Gedanke überfiel mich wieder vor dem Abitur. Eines Abends fuhr ich mit einer Freundin zum Tanzen. Sie tanzte und ich saß nur 3 Stunden lang da und beobachtete die feiernden jungen Leute. Plötzlich schrie es in mir: „Ich will mehr! Es muss doch mehr als das geben!“ Als Antwort kamen mir die Worte des Psalms 16 in den Sinn: Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht. Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.“ Ich begriff, dass ich auf einen „Prinzen“ wartete, der mich zum Tanz bitten würde, und tatsächlich - Er war schon gekommen. Als meine Mutter von mir hörte, dass ich in den Orden eintrete, wurde sie still. Diese Stille fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Später sprach sie zu mir mit den Worten: „Also gibt es nichts mehr zu sagen“. Die Zeit vor dem Eintritt war für mich eine große Glaubensprobe, da mich die gesamte Familie davon abhalten wollte, ins Kloster zu gehen. Heute weiß ich, dass es eine Zeit war, meine Entscheidung zu klären.

Obwohl 9 Jahre seit dem Eintritt vergangen sind, bin ich von der ganzen Familie nur mit meiner Großmutter im ständigen Kontakt. Doch Gott hat immer den besten Plan für mich, weil ich dank dieser schwierigen Situation meinen Vater wiedergefunden habe, den ich in meiner Ordenszeit zum ersten Mal traf. Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich vier Jahre alt war. Die erste Frage meines Vaters lautete also: „Wirst Du mir jemals verzeihen?“ „Wenn ich Dir nicht verziehen hätte, würden wir uns nicht treffen“. „Töchterchen, es ist der schönste Tag meines Lebens. Ein Stein fällt mir vom Herzen, den ich so viele Jahre getragen habe.“ Der Herr Jesus gab mir damals zu erkennen, was für eine enorme Kraft das Vergeben hat. Ich könnte mir selber mein Leben nicht besser ausdenken. Mit der Zeit sehe ich immer besser, wie Jesus alle Dinge leitet, verknüpft, heilt und segnet. Mein Leben gehört Ihm, ich weiß daher, dass ich nichts zu fürchten habe, denn mit Ihm ist alles möglich.